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Palmsonntag 2009

Predigt zur Karwoche

Karwoche 2009
Wir feiern den Palmsonntag und doch schauen wir bereits heute auf das, was kommt in den nächsten Tagen. Auf das, was kommt im Leben Jesu, was ihn und sein Leben erwartet. Und gleichzeitig schauen wir auch auf uns, auf unser Leben und auf das, was uns immer wieder erwartet und erwarten kann im Laufe unseres Lebens. Dies wollen wir uns vor Augen halten hier in unserer Kirche, hier vor dem Altar.

Palmsonntag 2009
Heute am Palmsonntag haben wir als Symbole dieses Tages eine Krone, die Olivenzweige und einen roten Königsmantel niedergelegt. Es sind Zeichen, die Jesus gelten. Er, dem zugejubelt wird. Er, dem Hoffnungsträger, zu dem man aufschaut, dem man Vertrauen schenkt. Er, der gegen alle Hoffnungslosigkeit und allem Pessimismus gefeiert wird. Wir heute brauchen solche Hoffnungsträger in den Schwierigkeiten des Lebens. Wir brauchen Menschen, zu denen wir aufschauen können, weil sie uns Hoffnung geben, weil sie uns aufrichten, weil sie uns ein gutes Wort sagen, das uns weiterhilft. Wir brauchen solche Menschen in unserem ganz persönlichen Leben, Freunde können wir sie nennen oder die Familie und wir brauchen solche Menschen in der weiten Welt. Menschen, die wie Propheten durch diese Welt gehen und gegen das Übel der Welt angehen und somit Menschen Hoffnung geben auf eine bessere Welt.

Gründonnerstag 2009
Heute schon blicken wir auch auf den Gründonnerstag, auf den Tag, an dem Jesus sein Abschiedsmahl hielt und an seinen Jüngern den letzten Liebesdienst erwiesen hat als Zeichen seiner Freundschaft und seiner Liebe. Wir haben als Symbol den Wasserkrug bereitgestellt, mit dem Jesus seinen Freunden die Füße gewaschen hat, wo er sich hinabgebeugt hat zu ihnen, um ihnen zu zeigen, dass er gekommen, sich nicht bedienen zu lassen, sondern um zu dienen. Dienen, ein Wort, das alles andere als aktuell ist. Wer will heute schon Diener sein, wer will heute schon vor einem anderen in die Knie gehen? Nein, das entspricht nicht unserer Vorstellung von Leben. Wir wollen oben sein. Wir wollen die ersten Plätze einnehmen. Wir wollen das letzte Wort haben. Wir wollen Recht behalten. Wir wollen als Sieger vom Platz gehen, in unseren Beziehungen, Partnerschaften und Ehen, in unseren Familien, am Arbeitsplatz, ja und mitunter auch unter unseren eigenen Freunden. Neben dem Wasserkrug steht auch der Kelch mit Wein und die Schale mit Brot als Zeichen seines Vermächtnisses an uns seinen Freunden heute. Er lädt uns ein Sonntag für Sonntag dieses Mahl mit ihm zu feiern, mit Jesus, der lebt und nicht nur bloße Erinnerung ist. Sein Mahl mit ihm zu feiern, damit wir unseren Alltag bestehen können, damit wir die nötige Kraft haben auch das Schwere tragen zu können. Lassen wir uns von ihm diese Zeit am Sonntag schenken, damit der Sonntag sich wohltuend abhebt vom Grau des Alltags.

Karfreitag 2009
Wir schauen auf den Karfreitag mit seinen Symbolen. Da sind die beiden Kreuzbalken, die man Jesus auflädt, damit er dieses sein Kreuz trägt. Es ist wie Last des Lebens, die er durch die Straßen Jerusalems schleppt, immer wieder zusammenbrechend, um doch wieder aufzustehen und weiterzugehen. Wie nah ist er uns mit seinem Kreuz. Wir, die wir immer wieder Kreuze im Leben erfahren und mehr noch schmerzhaft spüren. Wir, die zusammenbrechen und hoffentlich doch auch wieder Kraft finden, von anderen und letztlich auch von Gott, um wieder aufzustehen. Neben den Kreuzbalken sehen wir die Dornen der Dornenkrone und die Nägel, mit denen man ihn ans Kreuz nagelt. Dornen, die verletzen und Nägel, die festnageln. Wir verletzen Menschen mit unseren Worten, mit unserer Nichtbeachtung, mit unseren psychischen Schlägen. Und wir nageln Menschen fest, lassen kein gutes Haar an ihnen, schreiben sie ab und lassen sie hilflos zurück.

Der Grabstein soll für den Karsamstag stehen. Der Tag der Ruhe und der Stille, der Tag der Grabesruhe Jesu, der Tag der Trauer und des
Karsamstag 2009
Abschiednehmen Müssens. Wir selber erleben, ja mehr noch erleiden solche Karsamstage. Tage, wo wir Abschiednehmen müssen von Dingen und Menschen, die uns liebgeworden sind. Abschiednehmen von der Vitalität des Lebens, Abschiednehmen von der Gesundheit, Abschiednehmen von Menschen, die mit uns durchs Leben gegangen sind. Menschen, die uns so sehr fehlen, da sie nicht mehr sind. Menschen, die wir so schmerzlich vermissen und die uns auch noch nach langer Zeit immer wieder mit Momenten des Schmerzes erfüllen. Der Karsamstag ist aber auch ein Tag der Dankbarkeit. Der Dankbarkeit für das Gewesene und der Dankbarkeit für die Menschen für unsere verstorbenen Ehepartner, Eltern, Freunde und auch Kinder. Daneben ist und soll der Karsamstag der Tag der Hoffnung sein, dass Gott etwas Neues machen wird und dass er es ist, der dem Leben zum Durchbruch verhilft.

Ihr Pfarrer Gast
04.04.2009